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Die Wege des Lebens / The ways of life

01.05.2015 Usbekistan / Nukus / N42°27’57.0“ E059°36’34.6“

„Jipek Joli“, „Seidenstraße“ heißt das Hotel, vor dem wir einen Platz zum Parken gefunden haben. Einen Ort mit einem für uns passenderen Namen hätte es nicht geben können. Unsere kleine Karawane macht heute hier Halt. Wir gönnen dem Leo eine Verschnaufpause und bewegen uns leichtfüßig mit den Kindern von Bakhitjan durch die Gegend. Einen Friedhof wollen sie uns zeigen. Einen, der nicht nur durch seine Gräber vom Leben erzählt, sondern auf dessen Boden einst eine Stadt stand, deren Lehmbauten vom Wind fast vollkommen verweht sind. Doch deren Sagen und Geschichten umso prächtiger erscheinen. Wir hören vom Riesen, der hier begraben liegt, von untreuen Frauen und treuen Hunden, vom Vater, der seine Tochter nicht her geben will, auch wenn ihm dafür ein Prunkbau errichtet wird, wie es so keinen Zweiten gibt. Wir bauen Steinhaufen für unsere Wünsche und tragen damit der Geschichte Rechnung, dass die Welt erst untergeht, wenn der letzte Stein gefallen ist. Wir sprechen mit Shakhnoza, der Tochter Bakhitjans, über Spiritualität und die Kraft des Glaubens. Beides hat hier seinen ganz festen Platz im Leben der Menschen. Hingegen in unserer Kultur wohl jeder eher versucht, seinen eigenen Weg und Umgang damit zu finden. Was vor unseren Augen erscheint und was unser Innerstes an diesem Vormittag trifft, geht tief, lässt uns demütig und still sein. Wir sagen aus unseren Herzen heraus „Danke“ für das was ist. Erfüllt und müde zugleich kommen wir zum Mittag ins Haus der Khabibullaevs und freuen uns gemeinsam mit Markha zu kochen und zu essen.

Unsere Mittagsruhe verlegen wir ins Museum von Nukus. Ein Künstler hat über viele Jahrzehnte hinweg Gemälde gesammelt, die in den Zeiten nach 1920, auf dem Gebiet der ehemaligen UDSSR, als verboten galten. Hier in Nukus haben sie alle einen würdigen Platz gefunden. Sie werden geachtet und bekommen nun die Aufmerksamkeit, die jedem einzelnen dieser Bilder zusteht. Ich bin fasziniert von der Farbenfreude und dem Licht, welches aus so vielen der Bilder zu mir strahlt. Angefüllt vom Licht der Farben fahren wir mit der Familie gemeinsam aufs Dorf. Die Großmutter hat Geburtstag und wir sind eingeladen. „Sogar aus Deutschland sind Gäste gekommen, und ihr nicht…“ müssen sich die Kinder am Telefon sagen lassen, die in Kasachstan leben und ihrer Mutter telefonisch gratulieren. Es ist ein Abend mit viel Lachen, Orden aus der Sowjetzeit, Familienbildern, traditionellen Kleidern, einem „Fünf Finger“ Essen mit dem heute frisch geschlachteten Truthahn und der gemeinsamen Freude darüber, welch verschlungene Wege unsere Leben gehen und wie schön die Begegnungen an den lichten Kreuzwegen sind.

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